Radikal und unerschütterlich: Emmeline Pankhurst

Zuschnitt Portrait von Emmeline Pankhurst, 1906, Quelle: Purvis, June: Emmeline Pankhurst : A biography - 1. Aufl. - London and New York : Routledge, 2002.

Sie brachte 250.000 Menschen für das Frauenstimmrecht auf Londons Straßen – und musste doch zu drastischeren Mitteln greifen. Die bekannteste Suffragette Englands wurde radikal – mit internationaler Strahlkraft.

Sie warf den Stein, stellvertretend für die vielen. Emmeline Pankhurst zielte genau und traf präzise: das Fenster des damaligen Premierministers Herbert Asquith (in dieser Funktion von 1908 bis 1916) in der Downing Street, Number 10 – und das erschütterte Patriarchat in England.

Emmeline Pankhurst am Infostand der NWSPU, Juli 1908, Quelle: Purvis, June: Emmeline Pankhurst : A biography - 1. Aufl. - London and New York : Routledge, 2002. (FMT-Signatur BG.03.PANK-E.003)

Die englische Komponistin und Frauenrechtlerin Ethel Smyth (1858-1944), die auch den „March of Women“ komponierte, erinnerte sich so an die Begebenheit: „Punkt 5 Uhr 30 an einem denkwürdigen Abend im Jahr 1912 zogen zu Kundgebung versammelte Frauen Hämmer aus ihren Muffen und Handtaschen hervor und fingen an, systematisch in allen Straßen der Londoner Innenstadt Schaufensterscheiben zu zertrümmern, beflügelt von dem Wissen, dass Mrs. Pankhurst mit einem gezielten Steinwurf auf ein Fenster in der Downing Street 10 den Reigen eröffnete.“

Sie hatte es zuvor mit friedlicheren Mitteln probiert. Die 1858 geborene Emmeline wuchs schon qua familiärer Herkunft in das Engagement für Frauenrechte hinein: beide Eltern waren für das Frauenstimmrecht. Später unterstützte auch ihr Ehemann Richard Pankhurst ihr Herzensanliegen. 1903 gründete sie gemeinsam mit ihrer Tochter Christabel die „Women´s Social and Political Union“ (WSPU). Sie organisierten Demonstrationen und Frauenparlamente und brachten große Massen auf die Straßen Londons. Doch auch 250.000 DemonstrantInnen am 21.6.1908 brachte keine politische Änderung.

Frau sah sich gezwungen, zu drastischeren Mitteln zu greifen: die Provokation der Staatsgewalt und Gewalt gegen Sachen (nicht gegen Menschen) waren nun ihre ultima ratio. Dabei wurden die Frauen einerseits kreativer, andererseits radikaler – und immer wieder für längere Perioden ins Gefängnis gesteckt. Die Aktionen wirken weit über die Grenzen Englands hinaus, auch in Deutschland.

Prozession um Emmeline Pankhurst und Tochter Christabel und Mrs Leigh nach ihrem Gefängnisaufenthalt willkommen zu heißen, Quelle: Pankhurst, Sylvia E.: The suffragette : the history of the women's militant suffrage movement 1905-1910. New York: Sturgis & Walton, 1911. (FMT-Signatur FE.06.249-S)
„To Victory“: Willkommensprozession für Emmeline Pankhurst und Co. nach ihrem Gefängnisaufenthalt

Nach Ende des Ersten Weltkriegs beschloss das Parlament den „Representation of the People Act“: Britische Frauen über 30 Jahren bekamen darin das Wahlrecht zugesprochen, erst 1928 gilt das Wahlrecht ab 21 Jahren für Frauen und Männer gleichermaßen.

Im FMT zentral den Suffragetten: „March Women March – How Women Won the Vote“ und Emmeline Pankhursts Autobiografie (deutsche Übersetzung 2016 SIGNATUR). Als Quelle ist „Unshackled : the story of how we won the vote“ (FMT-Signatur: BG.03.PANK-C.002) hervorzuheben, sowie die Quellensammlung „Shoulder to Shoulder“ von Midge Mackenzie (FMT-Signatur: FE.06.140). Außerdem berichtete die Zeitschrift EMMA mehrfach über die Suffragetten: Im Gründungsjahr 1977 genauso wie zum 90. Jahrestag des Frauenwahlrechts 2008.

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