Vittoria Calzolari

Social Media Beitrag vom 07.05.2024: Link zum Instagram-Post

Im Rahmen der Recherchen für unser diesjähriges @ddfarchiv Projekt zur feministisch-ökologischen Mobilität und Stadtplanung stellen wir euch die italienische Urbanistin, Landschaftstplanerin und Architektin Vittoria Calzolari vor, die vor 100 Jahren geboren wurde. Sie prägte den italienischen Diskurs zur Stadtplanung der 1950er Jahre und war die erste Person, die ein Aufbaustudium zum Thema Landschaft entwickelte.

Calzolari wurde 1924 in Rom geboren, das genaue Datum ist nicht bekannt. 1949 erfolgte das Examen an der La Sapienza Universität im Fachbereich Architektur. Danach erhielt sie ein Stipendium als Visiting Fellow an der Harvard Universität, durch welches sie mit der damaligen Avantgarde der Architektur in Berührung kam, wie zum Beispiel Walter Gropius. Während ihrer Karriere bekleidete Calzolari viele Ämter, u.a war sie ab 1975 Professorin für Urbanistik in Rom, ein Jahr später Dezernentin des historischen Zentrums.

Ihr Werk Verde per la città (zu dt. Grün für die Stadt), welches sie zusammen mit ihrem Ingenieur-Ehemann Mario Ghio verfasste, wurde schnell zum Handbuch für Freiflächen und Sportanlagen. In diesem Werk wird die industrialisierte Stadt der 50er Jahre kritisiert, die zum Beton-Dschungel zu werden drohte. Dem setzte Calzolari eine Einfachheit in der Planung entgegen, die den Passanten oder Passantin im Fokus hatte. Zu Calzolaris bekanntesten Projekten zählen die Erhaltung historischer Stadtteile Roms, wie die Erneuerung der Tor di Nona Nachbarschaft und die Mitgestaltung des Stadtparks Via Appia Antica. In beiden Projekten stellt sie den Nutzen der Anlagen für die Bevölkerung in den Vordergrund und orientiert sich bei der Planung am Verlauf des Wassers.

Ein Zeitungsartikel von 2012 charakterisierte sie als „Frau, die die Idee von der Landschaft schuf.“ Calzolari ist also auch ein Beispiel für die erfolgreichen, aufstrebenden Töchter der Mittelschicht in der (west-)europäischen Nachkriegszeit und zeigt den Werdegang einer Frau, deren Talent sich bereits freier entfalten durfte, als das vieler Frauen-Generationen vor ihr.

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