Social Media Beitrag vom 01.09.2026: Link zum Instagram-Beitrag
Wer schreibt, der bleibt? 📝 Und wer nicht schreibt, wird vergessen?

Wer den Blick in klassische Archive wirft, stößt meist auf Dokumente der herrschenden Eliten: Staatsverträge, Gesetze und Chroniken. Frauen und marginalisierte Gruppen fehlen hier oft ganz, weil sie meist keinen institutionalisierten Zugang zu formellen Machtpositionen besaßen – oder sie erscheinen nur durch die Brille staatlicher Regulierung.


Doch keine Quelle spricht für sich allein. Um diese Leerstellen zu füllen, bildet die klassische Quellenkritik unser Fundament: Wir müssen Zeugnisse abgleichen, ihre Perspektiven hinterfragen und neue Zusammenhänge herstellen (#Hermeneutik).


Genau das ist ein didaktisches Ziel unserer Reihe: Zu erkennen, dass sich der „historische Wert“ einer Quelle nicht einfach bemessen lässt. Man muss alles mit einbeziehen. 💡 Mehr auf den Kacheln!
Das zeigt sich insbesondere bei Quellen aus Herrschaftskontexten, die oft strukturell und unintendiert historische Leerstellen produzieren. Michel-Rolph Trouillot beschreibt in „Silencing the Past“ (1995), wie Narrative durch dieses meist unbewusste Verschweigen geformt werden. Um solche Dynamiken aufzubrechen, forderte Ann Laura Stoler in „Along the Archival Grain“ (2008), koloniale Archive zunächst entlang ihrer eigenen Logik zu lesen, um deren Lücken überhaupt zu verstehen.


Ein konkretes Beispiel sind karibische Plantagen- und Sklavenregister des 18. Jahrhunderts: Vordergründig dokumentieren sie versklavte Menschen rein als ökonomischen Besitz oder bürokratische Posten. Liest man sie jedoch gegen den Strich, offenbaren diese Listen indigene Überlebensstrategien, familiäre Netzwerke und Strukturen des Widerstands.
Solch eine kritische Perspektive gilt für jede historische Arbeit. Geschichte ist kein passives Abbild der Vergangenheit und keine beliebige Deutung der Gegenwart. Die Wahl der Methoden, mit denen wir als Forschende Quellen auswählen und deuten, ist niemals neutral.


Deshalb stellen wir euch in den nächsten Beiträgen verschiedene theoretische Zugänge vor (Teil 3)!
💬 Erzählt mal: Was für verrückte oder unkonventionelle Quellen kennt ihr so?
#Feministory #Geschichtsdidaktik #Quellenkritik #GenderHistory
01.09.2026