„Frauenbewegung und Frauenuniversität“ (1976)

Social Media Beitrag vom 18.03.2026: Link zum Instagram Beitrag

1976 erklärte die Historikerin Gisela Bock (1942 – 2025) auf der Berliner Sommeruniversität für Frauen die Universität zur feministischen Kampfzone – als Ort, an dem sich Kämpfe der Neuen Frauenbewegung direkt in Strukturen von Lehre und Forschung einschreiben sollten. 📃👩‍🎓

Die erste Berliner #Frauensommeruni (6.–10. Juli 1976, FU Berlin) war ein Meilenstein der Neuen Frauenbewegung: Initiiert von einer interdisziplinären Gruppe engagierter Dozentinnen, Assistentinnen und Doktorandinnen wie Gisela Bock, Sybille Plogstedt, Barbara Duden und anderen – viele aus Frauenzentren und autonomen Frauenprojekten –, versammelte sie ca. 600–1200 Frauen aus ganz Westdeutschland zu 12 Vorträgen und 15 Arbeitsgruppen. Mehr dazu im Beitrag vom Juli 2025.

In ihrer Eröffnungsrede „Frauenbewegung und Frauenuniversität“ (FE.03.009-01-a, S. 15-22). beschrieb Bock die Sommeruniversität als Brücke zwischen außeruniversitärer Frauenbewegung und universitärer Wissenschaft. Ziel war es, eine radikal transformative „Frauenwissenschaft“ zu etablieren, die Frauenmacht und Selbstbestimmung gegen institutionalisierte Ohnmacht setzt. „Wir wollen mehr als nur Objekt und Subjekt der Wissenschaft werden: wir wollen sie und die Gesellschaft verändern. Radikal“ (S. 18).

So brachte es die Pionierinnen der feministischen Wissenschaftskritik auf den Punkt. Diese Sommer-Uni sei kein akademisches Projekt einiger weniger, sondern Frucht einer breiten Frauenbewegung, die aus Frauenzentren heraus zur Massenbewegung geworden sei und jetzt nach den Institutionen griff. 

Viele Ideen aus Bocks Rede waren neu, da sie Geschlecht als zentrale Kategorie wissenschaftlicher Forschung forderte. Sie bauten mitunter aber auch auf der Wissenschaftskritik der Studentenbewegung der 1960er/70er auf (z. B. Kritik an Autoritätsstrukturen der Wissenschaft). In Bocks Rede wurden Frauenperspektiven in die Forderung nach emanzipatorischer Wissenschaft integriert.

👉 Aus heutiger Sicht markiert diese Rede einen Wendepunkt im Kampf um eine neue Wissensordnung, die Frauen nicht mehr als Menschen zweiter Klasse behandelt.  

#Frauengeschichte #FrauenReden #Frauenwissenschaft #Feminismus #FeministischeWissenschaft


18.03.2026, Katharina Henze, Berit Schallner






Zurück zur Übersicht

Diese Webseite verwendet Cookies.

Weitersurfen bedeutet: Zustimmung zur Cookie-Nutzung.

Mehr Informationen

OK