Social Media Beitrag vom 09.01.2026: Link zum Instagram Beitrag folgt
Warum eine Reihe über „politische Reden von Frauen“ nicht so einfach ist. ☝🤔

Wer spricht – und wessen Stimmen bleiben erhalten? Geschichte ist ungleich erzählt: Nicht nur waren Frauen als öffentliche Rednerinnen lange eher Ausnahmen. Ihre Reden wurden außerdem seltener dokumentiert und überliefert. Hinzu kam oft ein eigenes Unbehagen mit der öffentlichen Rolle: Louise Otto-Peters etwa schrieb 1865 mit ihren Reden für den Allgemeinen Deutschen Frauenverein Geschichte – doch sie begann ihre öffentliche Rede mit einer Entschuldigung für ihren Auftritt: „…so muß ich mich gleich im Voraus mit der Pflicht entschuldigen“.


Für Frauen, die Minderheitengruppen angehören oder außerhalb Europas öffentlich gewirkt haben, verstärkt sich dieser Effekt. Sprachliche Hürden formen, was wir hier im Deutschland des 21. Jahrhunderts wie verstehen. Reden wie die von Marie Juchacz 1919 – „Es ist das erste Mal, dass in Deutschland die Frau als freie und gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf“ – wirken heute durch unsere demokratische Perspektive emanzipatorisch, während sie damals für viele Menschen revolutionär und bedrohlich klangen. Die historische Entwicklung verändert rückwirkend ihre Deutung. Wer es in den Kanon der überlieferungswürdigen AkteurInnen schafft, hat also häufig auch mit den gesellschaftlichen Gegenwartsbedürfnissen und -gegebenheiten zu tun.
Hinzu kommt die Frage: Wann ist eine Rede überhaupt politisch? Wenn sie über Frauenrechte spricht – oder schon, wenn sie durch ihren öffentlichen Auftritt gesellschaftliche Ordnung in Frage stellt? 💭
Unsere Reihe möchte diese Grenzen sichtbar machen. Wir stellen Frauen vor, die das Wort ergriffen haben – manchmal laut, manchmal mit Risiko – und schauen uns gemeinsam an, wie stark Geschichte, Kultur und Machtverhältnisse bestimmen, wer gehört wird und wer nicht.


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09.01.2026, Katharina Henze