„Aktion Letzter Versuch“ 11.03.1974

Social Media Beitrag vom 11.03.1974: Link zum Instagram-Beitrag

Zwei Tage nach der öffentlich angekündigten Abtreibungsaktion von 14 ÄrztInnen bekannten #otd vor 50 Jahren 329 ÄrztInnen im Spiegel, dass sie Frauen „ohne finanziellen Vorteil […] zur Abtreibung verholfen“ (S. 30) hätten.

Im Juni 1974 stand die Reform des § 218 an und Frauen mobilisierten bundesweit ihre Kräfte für die Aktion Letzter Versuch. Sie wollten möglichst die ersatzlose Streichung des Paragraphen oder zumindest eine großzügige Fristenlösung durchsetzen. Die öffentliche Erklärung der 329 Ärzte im Spiegel knüpfte an den Stern-Titel „Wir haben abgetrieben“ von 1971 an.

Die ÄrztInnen forderten ein Recht auf Abtreibung, sicherere Abtreibungsmethoden, die Übernahme durch die Krankenkasse und auch leichter zugängliche Verhütungsmittel.

Am Abend erlebte die Bundesrepublik dann ihren bis dahin größten Fernsehskandal. Zwei Tage vorher hatten 14 Ärzte in Berlin öffentlichkeitswirksam Abtreibungen mit der schonenden, in der BRD bis dahin nicht angewendeten Karman-Methode durchgeführt. Eine dieser Abtreibungen wurde von Alice Schwarzer für das TV-Magazin Panorama gefilmt. Wenige Stunden vor Ausstrahlung setzten die ARD-Intendanten den Beitrag auf Druck der deutschen Bischofskonferenz ab. Die anderen AutorInnen solidarisierten sich und Panorama-Chef Peter Merseburger sendete 45 Minuten lang ein leeres Studio – der Skandal war perfekt.

Eine Woche später wurde der Beitrag auf NDR3 dennoch gezeigt; gekoppelt mit einer kontroversen Diskussionsrunde zum Thema mit Merseburger, Alice Schwarzer, Ingrid Kämmerer, Klaus Bölling, Helmut Oeller und Hermann Köker unter dem Titel „Was darf das Fernsehen“ (FMT, FI.01.10).

Der „Aktion Letzter Versuch“ hätte nichts Besseres passieren können: wochenlang debattierten Medien und Menschen über den § 218 und die Fristenlösung wurde zwei Monate später verabschiedet. Leider war dieser Erfolg nicht von langer Dauer – lest dazu mehr in der Chronik auf unserer Webseite zum § 218!

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