Aktion Letzter Versuch

Da für den Juni 1974 die Verabschiedung der §218-Reform angekündigt ist, organisieren Frauengruppen aus ganz Deutschland vom 8.-16. März die Aktion letzter Versuch. Die Aktionswoche soll Druck auf die SPD und FDP aufbauen und sie dazu bringen, der Verabschiedung der Fristenlösung zuzustimmen.

Knapp drei Jahre nach der Selbstbezichtigung der Frauen im Stern bekennen außerdem 329 Ärztinnen und Ärzte im Spiegel: „Wir haben Frauen ohne finanzielle Vorteile zur Abtreibung verholfen und werden dies auch weiterhin tun.“ Auch dieses Bekenntnis ist Teil der Aktion Letzter Versuch, über die der Spiegel in seiner Titelgeschichte Aufstand der Schwestern berichtet.

Gleichzeitig erlebt die Bundesrepublik einen ihrer größten Zensur-Skandale des deutschen Fernsehens. Am 9. März hatten 14 ÄrztInnen nach öffentlicher Ankündigung in Berlin einen Schwangerschaftsabbruch nach der bis dahin noch nie in der BRD praktizierten schonenden Absaugmethode durchgeführt.

Sie erklären: „Jeden Tag werden in der Bundesrepublik 2.000 bis 3.000 illegale Abtreibungen durchgeführt. Unsere Aktion soll Schluss machen mit der Heuchelei. Wir fordern gleiches Recht für alle, die Entwicklung unschädlicher Verhütungsmethoden und kinderfreundlicher Lebensbedingungen.“ Alice Schwarzer, die die Aktion initiiert hatte, filmt die Abtreibung für das Fernsehmagazin Panorama. Der Beitrag, der am 11. März gesendet werden soll und am Vormittag vom NDR-Intendanten gebilligt wird, wird eine Stunde vor Sendebeginn abgesetzt.

Ein entscheidender Grund: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Döpfner, hatte Strafanzeige gestellt. Aus Protest gegen die Absetzung des Beitrags ziehen alle Panorama-Autoren ihre Beiträge zurück. Panorama-Chef Peter Merseburger sendet 45 Minuten lang ein leeres Studio.

Die Aktion Letzter Versuch endet mit dem Nationalen Protesttag am 16. März.

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