Social Media Beitrag vom 01.10.2026
Weiter geht es mit #Feministory Teil 5! 📚✨ Heute blicken wir auf zwei Kernprozesse: Historiografie (die Geschichte der Geschichtsschreibung) und Kanonisierung (der Filterprozess, der bestimmt, welches Wissen im kollektiven Gedächtnis landet).

Das Problem? Jahrhundertelang wurde der historische Kanon fast ausschließlich von (weißen) Männern geschrieben – Frauen wurden systematisch herausgefiltert. Doch Deutungen verändern sich. Ein Schlüsselbegriff hierfür ist der Revisionismus (vom lat. revidere = überprüfen). In der Wissenschaft bedeutet das, etablierte Erkenntnisse durch neue Quellen oder Perspektiven zu hinterfragen. Da Geschichtsrevisionismus aber auch missbraucht werden kann, z.B. um Verbrechen zu leugnen, ist ideologiekritische Arbeit Pflicht.




Der feministische Aufbruch (1970/80er): Aktivistinnen und Historikerinnen wehrten sich gegen eine Fachkultur, die Frauen weder als Subjekte noch als Objekte ernst nahm. Legendär ist das Zitat von Gisela Bock auf der ersten Frauen-Sommeruniversität 1976: „Wir wollen mehr als nur Objekt und Subjekt der Wissenschaft werden: wir wollen sie und die Gesellschaft verändern. Radikal.“ (FE.03.009-01, S.9).


👉 Mehr dazu in unserem Beitrag „Frauengeschichtsforschung“ vom 16.03.2026.
Wie produktiv dieser feministische Revisionismus sein kann, zeigt der transatlantische Historikerinnenstreit (ca. 1989–1992) zwischen Gisela Bock und Claudia Koonz. Sie debattierten differenziert über die Rolle von Frauen im NS-Staat (Opfer des Patriarchats vs. strukturelle Mittäterinnen).
💻 Digitaler Lesetipp: Das @ddfarchiv zu Märzrevolution & Historikerinnenstreit.


Erweiterung des Kanons: Dieser Wandel ist ein komplexer, fortlaufender Prozess. Auch wenn postkoloniale und intersektionale Ansätze heute extrem präsent sind – neu sind sie nicht. Schon in den 1970ern prägten Schwarze und jüdische Aktivistinnen die Debatten, wie das Manifest des Combahee River Collective (1977) zeigt. Seit den 1960ern lieferte die „Standpunktpolitik“ Argumente, um den eurozentrischen, männlichen Kanon aufzurütteln.
Was muss im Geschichtskanon eurer Meinung nach dringend revidiert werden?

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