Das verkaufte Geschlecht – Der feministische Kampf gegen das System Prostitution

copyright: Bettina Flitner

Veranstaltung am 8. Oktober 2026, 18 Uhr in Köln

„Warum ich für Sex bezahle? Frauen gehen mir oft auf den Sack. Sie machen Stress. Dafür zu zahlen, das hat was. Eigentlich ist das Macht. Man kann mit der Frau machen, was man will.“ Das antwortete Christian, 23, Bettina Flitner auf ihre Frage: „Warum gehst du ins Bordell?“ Zehn Tage lang hatte Flitner im Stuttgarter Bordell „Paradise“ verbracht, dort mit Freiern gesprochen und sie fotografiert. Über mehrere Jahrzehnte hat die Fotografin, Filmemacherin und Autorin das Geschäft mit der Ware Frau in mehreren bedeutenden Fotoreportagen dokumentiert: vom tschechischen Straßenstrich E 55 bis zur Berliner „Verrichtungsbox“.

Sexualpolitik und die kritische Auseinandersetzung mit Prostitution gehören seit jeher zu den zentralen Themen der Frauenbewegung. Prostitution berührt grundlegende Fragen von Geschlecht, Macht und Selbstbestimmung und wird bis heute äußerst kontrovers diskutiert. Wie sieht die Realität hinter dem „ältesten Gewerbe der Welt“ aus? Was bedeutet Prostitution für die betroffenen Frauen? Und wie soll eine gleichberechtigte Gesellschaft mit ihr umgehen? Der Frauenmediaturm lädt am Donnerstag, den 8. Oktober, zu einem Abend rund um das Thema ein.

Nach einer Einführung von Alice Schwarzer berichtet Bettina Flitner über die Entstehung ihrer Reportagen und die Erfahrungen, die sie bei den Begegnungen mit Frauen und Freiern gemacht hat. Im anschließenden Gespräch kommen unterschiedliche Perspektiven auf das System Prostitution zusammen: Sabine Constabel hat über 30 Jahre lang als Sozialarbeiterin Frauen in der Prostitution in Stuttgart beim Ausstieg begleitet und ist heute Vorsitzende des Vereins „SISTERS – für den Ausstieg aus der Prostitution“. Liane Bissinger hat als Gynäkologin in Hamburg viele Jahre in der Gesundheitsversorgung von Frauen in der Prostitution gearbeitet und wird über die gesundheitlichen Folgen für die Frauen sprechen. Vivien war selbst in der Prostitution. Sie spricht darüber, warum der Einstieg meist leicht, der Ausstieg aber oft schwer ist und wie Digitalisierung und Internet diese Dynamik zusätzlich verschärft haben.

So stehen mehr denn je Fragen von Selbstbestimmung und Ausbeutung zur Debatte: Was bedeutet es im Zeitalter des Internets für Frauen, wenn weibliche Körper mehr und mehr zur Ware werden? Und wie muss eine feministische Politik mit dieser Entwicklung umgehen?

Moderiert wird die Diskussion von Chantal Louis (EMMA), die seit vielen Jahren zum Thema Prostitution recherchiert und schreibt. Der Abend beginnt um 18 Uhr. Da die Plätze in unserem historischen Gewölbe begrenzt sind, bitten wir um vorherige Anmeldung über info@frauenmediaturm.de.

Im Rahmen des diesjährigen DDF-Projekts Das verkaufte Geschlecht – Der feministische Kampf gegen das System Prostitution beschäftigt sich der FrauenMediaTurm mit historischen und aktuellen feministischen Auseinandersetzungen mit Prostitution. In das Projekt fließen unterschiedliche Materialien und Perspektiven ein, darunter Beiträge von SISTERS sowie mehrere Fotoreportagen von Bettina Flitner.

Die Veranstaltung wird gefördert durch das Digitale Deutsche Frauenarchiv (DDF).

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