„Meine Herren und Damen!“: Die ersten Jahre im Parlament

Das Frauenwahlrecht erkämpft, der Frauenanteil beachtlich, doch die ersten Parlamentarierinnen hatten es nicht leicht. Von den Herren belächelt und auf soziale Themen beschränkt, war es schwierig, eine eigene Stimme zu finden.

Die ersten Parlamentarierinnen, Weimar 1919, Quelle:FMT (Signatur FT.03.0486)
Die ersten Parlamentarierinnen, Weimar 1919

37 Frauen wurden in die Nationalversammlung gewählt (8,7 %), vier rückten nach (9,7%) und stellten so den mit Abstand höchsten Frauenanteil, der weltweit bis dahin in einem Parlament erreicht worden war. Doch wie sah die Realität der frisch gebackenen Parlamentarierinnen dann aus?

Im Spiegel der Männer zwiespältig: So lobte der konservative Publizist Adolf Stein die einen („Dabei kann die Bäumer was [er meint Dr. Gertrud Bäumer]. In der Debatte in der Volksversammlung steht sie ihren Mann“). Er wertete gleichzeitig die vielen anderen aber gerne ab („Auch die Parlamentarierinnen bleiben meist Frauen“, oder: „Die Frauen des Zentrums haben allesamt etwas Mütterliches an sich […]. Politisch aber sind sie zumeist unmündig.“).

Wenn Frau im Parlament das Wort ergriff, konnte sie es nicht recht machen: Sprachen die Frauen leise, waren sie zwar „weiblich“, aber nicht zu hören, wurden sie lauter, wurde das als „Kreischorgie“ abgekanzelt; wenn sie mit tiefer, voller Stimme sprachen, galt ihre Rede als „männlich“. Wenn es um Frauenrechte und den sozialen Bereich ging, durften Frauen mitreden, ansonsten wurden sie in der öffentlichen Rede abgewertet. Bis heute wirken solche Stereotypen nach, belegt die Historikerin Barbara von Hindenburg in der aktuellen Publikation des Historischen Museums zu 100 Jahre Frauenwahlrecht (FMT-Signatur FE.08.288).

Vom Kaffeekränzchen und „Herrenzimmern“

Ministerin Dr. Elisabeth Schwarzhaupt © Bundesbildstelle (FMT-Signatur FT.02.1779)
Die erste Ministerin gab es erst 1961: Dr. Elisabeth Schwarzhaupt

Die Frauen wurden auch physisch an ihren Platz verwiesen: Die Pausen verbrachten die Parlamentarierinnen in einem für sie eigens eingerichteten Bereich – getrennt von den männlichen Parteikollegen. Während die Frauen über Kaffee Freundschaften knüpften, trafen die männlichen Abgeordneten sich an der Theke von Weinstuben oder Bierkellern bis zur „heiteren Berauschtheit“. Das Auskochen von Absprachen im „Herrenzimmer“ bleibt bis heute eine der wirkungsvollen Maßnahmen, Frauen aus der Politik rauszuhalten.

Ihre Themenschwerpunkte legten die Parlamentarierinnen der Weimarer Republik weitgehend im sozialen Bereich: Jugendfürsorge, Mutterschutz, Stellung der nichtehelichen Kinder, das Staatsbürgerrecht verheirateter Frauen oder die Stellung von Beamtinnen. Viele der damaligen Probleme sind bis heute aktuell, etwa die Besetzung von Staats- und Verwaltungsämtern mit Frauen und die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit.

Ein weiteres Problem war das Ausbleiben der Reform vom Familienrecht, wie Prof. Dr. Marion Röwekamp in einem Aufsatz aufzeigt: Die familienrechtliche Gleichberechtigung stand weiterhin im krassen Gegensatz zum traditionellen Eheverständnis der bürgerlichen Familie. (vgl. dazu Wolff, Kerstin und Richter, Hedwig (Hrsg.): Frauenwahlrecht, Demokratisierung der Demokratie in Deutschland und Europa, Hamburg 2019, S. 109ff.)

Trotzdem konnten Abgeordnete wie Tony Sender und Marie Juchacz in der Weimarer Republik eine politische Karriere aufbauen. Es gab auch Frauenrechtlerinnen, die sich dem deutschnationalen Kurs anschlossen, wie etwa Käthe Schirmacher.

Mit der Machtergreifung der Nazis wurde es jedoch für viele Parlamentarierinnen schwierig: Helene Weber etwa wurde 1933 als „politisch unzuverlässig“ entlassen. Erst nach 1945 konnte sie wieder politisch tätig werden. Als eine von vier Frauen war sie Mitglied im Parlamentarischen Rat und wurde eine der „Mütter des Grundgesetzes“, die die politische Gleichstellung der Frau in der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland festschrieben. Wieso dies fast vergessen ging, wird bei Ansicht des Fotos unten deutlich: Politik war nach dem Zweiten Weltkrieg erst mal wieder Männersache. Bis zur ersten deutschen Ministerin, Elisabeth Schwarzhaupt, dauerte es noch bis 1961, bis zur ersten Kanzlerin bis 2005.

Parlamentarischer Rat 8.3.1949 © Haus der Geschichte Bonn (FMT-Signatur FT.03.0284)
Und wo sind die Frauen? Parlamentarischer Rat 1949

Literatur zu den Parlamentarierinnen der Weimarer Republik im FMT

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Radikal und unerschütterlich: Emmeline Pankhurst

Sie brachte 250.000 Menschen für das Frauenstimmrecht auf Londons Straßen – und musste doch zu drastischeren Mitteln greifen. Die bekannteste Suffragette Englands wurde radikal – mit internationaler Strahlkraft.

Sie warf den Stein, stellvertretend für die vielen. Emmeline Pankhurst zielte genau und traf präzise: das Fenster des damaligen Premierministers Herbert Asquith (in dieser Funktion von 1908 bis 1916) in der Downing Street, Number 10 – und das erschütterte Patriarchat in England.

Emmeline Pankhurst am Infostand der NWSPU, Juli 1908, Quelle: Purvis, June: Emmeline Pankhurst : A biography - 1. Aufl. - London and New York : Routledge, 2002. (FMT-Signatur BG.03.PANK-E.003)

Die englische Komponistin und Frauenrechtlerin Ethel Smyth (1858-1944), die auch den „March of Women“ komponierte, erinnerte sich so an die Begebenheit: „Punkt 5 Uhr 30 an einem denkwürdigen Abend im Jahr 1912 zogen zu Kundgebung versammelte Frauen Hämmer aus ihren Muffen und Handtaschen hervor und fingen an, systematisch in allen Straßen der Londoner Innenstadt Schaufensterscheiben zu zertrümmern, beflügelt von dem Wissen, dass Mrs. Pankhurst mit einem gezielten Steinwurf auf ein Fenster in der Downing Street 10 den Reigen eröffnete.“

Sie hatte es zuvor mit friedlicheren Mitteln probiert. Die 1858 geborene Emmeline wuchs schon qua familiärer Herkunft in das Engagement für Frauenrechte hinein: beide Eltern waren für das Frauenstimmrecht. Später unterstützte auch ihr Ehemann Richard Pankhurst ihr Herzensanliegen. 1903 gründete sie gemeinsam mit ihrer Tochter Christabel die „Women´s Social and Political Union“ (WSPU). Sie organisierten Demonstrationen und Frauenparlamente und brachten große Massen auf die Straßen Londons. Doch auch 250.000 DemonstrantInnen am 21.6.1908 brachte keine politische Änderung.

Frau sah sich gezwungen, zu drastischeren Mitteln zu greifen: die Provokation der Staatsgewalt und Gewalt gegen Sachen (nicht gegen Menschen) waren nun ihre ultima ratio. Dabei wurden die Frauen einerseits kreativer, andererseits radikaler – und immer wieder für längere Perioden ins Gefängnis gesteckt. Die Aktionen wirken weit über die Grenzen Englands hinaus, auch in Deutschland.

Prozession um Emmeline Pankhurst und Tochter Christabel und Mrs Leigh nach ihrem Gefängnisaufenthalt willkommen zu heißen, Quelle: Pankhurst, Sylvia E.: The suffragette : the history of the women's militant suffrage movement 1905-1910. New York: Sturgis & Walton, 1911. (FMT-Signatur FE.06.249-S)
„To Victory“: Willkommensprozession für Emmeline Pankhurst und Co. nach ihrem Gefängnisaufenthalt

Nach Ende des Ersten Weltkriegs beschloss das Parlament den „Representation of the People Act“: Britische Frauen über 30 Jahren bekamen darin das Wahlrecht zugesprochen, erst 1928 gilt das Wahlrecht ab 21 Jahren für Frauen und Männer gleichermaßen.

Im FMT zentral den Suffragetten: „March Women March – How Women Won the Vote“ und Emmeline Pankhursts Autobiografie (deutsche Übersetzung 2016 SIGNATUR). Als Quelle ist „Unshackled : the story of how we won the vote“ (FMT-Signatur: BG.03.PANK-C.002) hervorzuheben, sowie die Quellensammlung „Shoulder to Shoulder“ von Midge Mackenzie (FMT-Signatur: FE.06.140). Außerdem berichtete die Zeitschrift EMMA mehrfach über die Suffragetten: Im Gründungsjahr 1977 genauso wie zum 90. Jahrestag des Frauenwahlrechts 2008.

Bücher und Schriften von und über Emmeline Pankhurst im FMT

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Unbeirrbar und widerständig: Susan B. Anthony

Sie gilt als Urmutter der amerikanischen Frauenwahlrechtsbewegung. Susan B. Anthony schrieb mit ihren Aktionen Geschichte – doch die Einführung des Frauenwahlrechts in den Vereinigten Staaten erlebte sie nicht mehr.

Die junge Susan B. Anthony, Quelle: Barry, Kathleen: Susan B. Anthony: A Biography of a Singular Feminist - 1. Aufl. - New York : Ballantine Books, 1990 (FMT-Signatur BG.03.ANTH.001)

Die amerikanische Frauenrechtsbewegung, die „Women´s Lib“ feierte ihre Geburtsstunde am 21.7.1848. In Seneca Falls im Bundesstaat New Jersey fand der erste Nationale Kongress für Frauenrechte in den Vereinigten Staaten statt – initiiert von Elizabeth Cady Stanton und Lucretia Mott.

Das Manifest, das aus dem Treffen hervor ging, wurde als „Declaration of Sentiments“ bekannt. Es legte in 18 Punkten die Ungerechtigkeiten gegen Frauen dar und stellte die Forderung, Frauen alle Rechte und Privilegien zu gewähren, die die Männer besaßen, Wahlrecht inklusive.

1950 taten sich Elizabeth Stanton und die Quäkertochter Susan Brownell Anthony im Kampf für die Frauenrechte zusammen, sie gründeten die radikale Zeitschrift „The Revolution“ und 1869 die National American Suffrage Association (NWSA). Susan B. Anthony wurde zu Kopf und Organisatorin landesweiter Treffen, Unterschriftensammlungen und Aktionen.

Als 1869 per Amendment den Sklaven das Wahlrecht zugesprochen wurde, hegten die Frauen, die sich im Kampf zur Abschaffung um die Sklaverei tatkräftig engagiert hatten, Hoffnungen auf die Solidarität der nun Wahlberechtigten im Kampf um das Frauenwahlrecht – und wurden bitter enttäuscht.

Doch Anthony ließ sich nicht entmutigen: Im November 1872 forderte sie, als Wählerin für die Präsidentschaftswahl registriert zu werden – und wurde angeklagt. Dies bescherte ihr die nötige Öffentlichkeit, um den Forderungen der Frauenrechtsorganisationen Gehör zu verschaffen.

Zuschnitt Stimmrechtskonferenz in Berlin Juli 1904 mit Susan B. Anthony Minna Cauer Lida G. Heymann Anita Augspurg © Ullstein Bild (FMT-Signatur FT.01.038)
Susan B. Anthony (3. von links stehend) bei der Stimmrechtskonferenz in Berlin, Juli 1904

In den Vereinigten Staaten wurde das Wahlrecht 1920 eingeführt, Susan B. Anthony war 1906 in ihrem Elternhaus in Rochester gestorben. Die Galionsfigur der amerikanischen Frauenrechtsbewegung hatte es sich jedoch nicht nehmen lassen, 1904 noch – gemeinsam mit Minna Cauer, Anita Augspurg und Lida G. Heymann – in Berlin den Weltbund für Frauenstimmrecht (International Suffrage Alliance – IWSA) zu gründen. Ihre internationalen Tagungen vernetzten Aktivistinnen weltweit.

Der FMT verfügt über die mehrbändige Quellensammlung „The Elizabeth Cady Stanton, Susan B. Anthony reader : correspondence, writings, speeches“ (FMT-Signatur FE.06.055), für den Überblick dient die Biographie von Kathleen Barry (BG.03.ANTH.001) sowie „Sisters – The Lives of America´s Suffragists“ (FE.08.239).

Überblick über weitere Bücher zu Susan B. Anthony im FMT

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Mitbestimmen! Der Weg zum deutschen Frauenwahlrecht

Erste Forderungen wurden schon 1848 laut und ab 1890 nahm die Frauenbewegung in Deutschland dann richtig Fahrt auf. Eine Gruppe von radikalen Frauenrechtlerinnen bereitete den Weg, der 1918 in die Durchsetzung des Frauenwahlrechts mündete.

Wichtigste Pionierinnen beim Verband fortschrittlicher Frauenvereine, Berliner Reichstag, 3.10.1901 ©ullstein Bild (FMT-Signatur FT.01.037)
Wichtigste Pionierinnen beim Verband fortschrittlicher Frauenvereine, Berlin 1901

Ein Recht, das jedem Unwissenden im Volke zusteht, muss auch für das Weib da sein. – Louise Otto-Peters (1819-1895)

In Deutschland stachen einzelne Frauenrechtlerinnen nicht so stark hervor, wie etwa in den USA Susan B. Anthony oder in England Emmeline Pankhurst. Es war eher eine Front von Frauen, die sich zur Durchsetzung des Frauenwahlrechts zusammentat – und schließlich die Wirren zum Ende des Ersten Weltkriegs für ihre Sache nutzen konnten: Am 12. November 1918 führte der Rat der Volksbeauftragten das Frauenstimm- und wahlrecht ein. Am 19. Januar fand die Wahl zur Deutschen Nationalversammlung statt; 37 Frauen aus 5 Parteien wurden gewählt.

Für mich liegt der Anfang alles wahrhaftigen Fortschritts auf dem Gebiet der Frauenfrage im Stimmrecht der Frauen. Die Gesetze sind gegen sie, weil ohne sie.

Hedwig Dohm  (1831-1919)

Die Geschichte der historischen Frauenbewegung begann jedoch bereits 1848. Frauenrechtlerinnen wie Louise Otto-Peters und Hedwig Dohm kritisierten den Ausschluss der Frauen nicht nur mit spitzer Feder, sie gründeten auch Zeitschriften (Otto-Peters z.B. die „Frauen-Zeitung“ 1849-1852), die ab 1890 wichtiges Sprachrohr der historischen deutschen Frauenbewegung wurde. Drei Lager waren hierbei auszumachen: die so genannten „Radikalen“ (Hedwig Dohm, Minna Cauer , Lida G. Heymann, Anita Augspurg), die Sozialistinnen (wie Louise Otto-Peters) und die Gemäßigten-Bürgerlichen (wie Helene Lange). Außerdem engagierten sich später auch Sozialdemokratinnen für das Frauenwahlrecht (Clara Zetkin, Marie Juchacz).

Die Frau gehört nicht mehr ins Haus, sie gehört in dieses Haus: den Reichstag.

Minna Cauer (1841-1922)

Im FMT finden sich 50 Zeitschriftentitel der historischen Frauenbewegung. Diese sind wichtige Primärquelle für die „Radikalen“, darunter zentral die Zeitschrift „Die Frau im Staat“ (FMT-Signatur Z-GE004), die von 1919 bis 1933 erschien. Plus der Tagebücher von Minna Cauer, ein exklusives Forschungsmaterial zu einer der Pionierinnen des radikalen Flügels.

Wenn das Endziel der Frauenbewegung einmal erreicht ist, so wird es kein führendes Geschlecht mehr geben, sondern nur noch führende Persönlichkeiten.

Helene Lange (1848-1930)

Die Frauenbewegung in Deutschland war stark von den Suffragetten in Amerika und England beeinflusst. Für Forschungsarbeiten über die Unmittelbarkeit dieses Einflusses ist ein Blick in die Registrierbände der historischen Zeitschriften zu empfehlen (FMT-Signatur Z-GE003, Reg. und Z-GE004, Reg.1): Die Kolleginnen vom Archiv der Deutschen Frauenbewegung in Kassel haben in ihnen die Inhalte der Zeitschriften „Die Frauenbewegung“ (1895-1919) und „Die Frau im Staat“ (1919-1933) alphabetisch nach Namen und Stichworten aufbereitet, so können sie gezielt durchsucht werden. Für die Untersuchung der Kooperationen und Vernetzung der Frauenbewegungen auf internationaler Ebene ist die Zeitschrift „Ius Suffragii“ (FMT-Signatur Z-GE052) sehr ergiebig, die von 1906 bis 1924 erschien.

Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.

Marie Juchacz (1879-1956)

Mehr: Überblicksdarstellung zur Geschichte des Frauenwahlrechts in Deutschland von Dr. Kerstin Wolff im Digitalen Deutschen Frauenarchiv

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Das Jubiläum: 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland

Der Kampf war lange und heftig. Doch nach 70 Jahren bekamen auch die deutschen Frauen das Wahlrecht zugesprochen. Das wird gefeiert – mit vielen Veranstaltungen landauf und landab.

Jubelnde Sufragetten ©Heritage Image Partnership Ltd.

12. November 1918: „Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen.“ Das beschloss, kurz nach der Ausrufung der Republik, der Rat der Volksbeauftragten.

20. November 1918: Das Reichswahlgesetz tritt in Kraft.

19. Januar 1919: Die Wahl zur Nationalversammlung findet statt. Erstmals mit Frauen als Wählerinnen und Gewählte.

12. November 2018: In ganz Deutschland wird das Frauenwahlrecht gefeiert. Der offizielle Festakt wird im Deutschen Historischen Museum in Berlin begangen, in Gegenwart von Kanzlerin Merkel und Frauenministerin Giffey (nicht öffentlich).

13. November 2018, 18 Uhr: In der Staatsbibliothek Unter den Linden mit: Justizministerin Dr. Katarina Barley, Ex-Justiz-Senatorin Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit und EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer, Moderation: Chantal Louis. Frauen aus drei Generationen sprechen über ihr Verhältnis zu Wahlen und Politik. Teilnahme nur nach Anmeldung: pr@sbb.spk-berlin.de.

Bereits eröffnet ist die Ausstellung „Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht“ im Historischen Museum in Frankfurt am Main. Es geht um den Kampf der Suffragetten und das Engagement der ersten Parlamentarierinnen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 20. Januar 2019.  Der Katalog „Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht“ (Historisches Museum Frankfurt) findet sich natürlich auch im FMT (Signatur FE.08.288).

Weitere Veranstaltungen:

12. November 2018: „Vor 100 Jahren durften Frauen zum ersten Mal wählen. Und heute? Wählen sie immer noch: ob sie Kinder kriegen oder Karriere machen, ob sie ein Dirndl oder einen Antrag auf Hartz IV ausfüllen […]“ – Kostprobe aus dem Programm „Nachgelacht“ der „Sisters of Comedy“. Am 12.11.2018 treten 163 Kabarettistinnen deutschlandweit in 28 Städten auf. Ein Teil der Einnahmen wird an lokale Frauenhilfsprojekte gespendet.

30.November: Auf Wikipedia sind noch längst nicht alle Informationen zum Frauenwahlrecht aufgeführt. Und die Frauenfeinde machen sich breit. Schreibwerkstatt zum Frauenwahlrecht für WikipedianerInnen und diejenigen, die es noch werden wollen. Infos und Anmeldung: stuttgart@wikipedia.de

Eine Partie Suffragetto. Das Brettspiel der britischen Frauenstimmrechtsorganisation „Women’s Social and Political Union (WSPU)“ erschien 1908. Spielbrett und die original Spielanleitung gibt es 110 Jahre später online. 

Bis Juni 2019: Das Frauenmuseum in Bonn zeigt als Begleitprogramm zur Schau in Frankfurt die Ausstellung „100 Jahre Frauenpolitischer Aufbruch. Vom Frauenwahlrecht zum Frauenmandat“.

Überblick über weitere Aktionen zum Frauenwahlrecht: https://www.100-jahre-frauenwahlrecht.de/100-jahre-frauenwahlrecht-veranstaltungen.html

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1988/1989: „Moderner Hexenprozess“

© Ursula Dresing, Demonstration in Memmingen, 6.03.1989 (FMT-Signatur: FT.02.0129)
Demonstration in Memmingen, 1989

Im bayerischen Memmingen beginnt im September 1988 der Prozess gegen den Gynäkologen Horst Theissen vor dem Landgericht. In den Medien wird er als „Hexenprozess“ oder „Kreuzzug“ bezeichnet und  geht als größter Abtreibungsprozess und Einschüchterungsversuch an Ärzten und Frauen in die deutsche Rechts- und Frauengeschichte ein.

Auch heute werden Einschüchterungsversuche gegen GynäkologInnen unternommen: 2017 wurde die Gynäkologin Kristina Hänel angezeigt, der Vorwurf lautete: Werbung für Abtreibungen. Im Juni 2018 kam es zur Debatte im Bundestag. Die so genannten „Lebensschützer“ organisieren Aufmärsche, wie z.B. der „Marsch für Leben“, der am 22. September 2018 in Berlin stattfindet – die Anwort der AktivistInnen: Der Aktionstag für sexuelle Selbstbestimmung. 30 Jahre her zeigt Memmingen exemplarisch, wie Rechtsprozesse gezielt von Abtreibungsgegnern vereinnahmt werden.

Wie es zum Prozess kam

Angeklagter Gynäkologe Horst Theissen (FT.02.1987)

Der niedergelassene Frauenarzt war anonym wegen Steuerhinterziehung angezeigt worden, die Steuerfahndung hatte auch die Patientinnenkartei beschlagnahmt und sie an die Staatsanwaltschaft weiter gegeben.

Diese leitete gegen 279 Frauen ein Verfahren wegen illegalen Schwangerschaftsabbruchs ein und erhob in 156 Fällen Anklage. Der Großteil endete mit einem Strafbefehl, den die meisten Frauen akzeptieren, um einen öffentlichen Gerichtsprozess zu verhindern. Auch der Gynäkologe Theissen wurde angeklagt.

Neuzeitlicher Schauprozess

Demonstration in Memmingen, 1989 (FMT-Signatur FT.02.131)
Demonstration in Memmingen, 1989 (FT.02.131)

Theissen habe angeblich Abtreibungen durchgeführt, ohne dass tatsächlich eine (soziale) Indikation vorgelegen habe, so der Vorwurf. In dem Prozess gegen den Arzt führen die Richter, gegen die die Verteidigung mehrmals Befangenheitsanträge stellt, Theissens Patientinnen bewusst vor. Sie laden 79 Frauen vor, verlesen ihre Namen und befragen sie öffentlich zu intimsten Details.

Horst Theissen wird am 5. Mai 1989 vom Landgericht Memmingen zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt und erhält außerdem ein dreijähriges Berufsverbot. Nachdem er erfolgreich in Berufung gegangen ist, wird das Urteil in anderthalb Jahre auf Bewährung umgewandelt und das Berufsverbot aufgehoben.

Bilder im FMT-Bildarchiv (Auswahl)

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Auswahl an Quellen und Büchern

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Aus unserer Pressedokumentation (PD-SE.11.43)

Klare Sicht auf Frauengeschichte

Dach Bayenturm mit Himmelsauge, Copyright: FMT / Bettina Flitner

Um das „Himmelsauge“ des historisch rekonstruierten Bayenturms hat Alice Schwarzer, Stiftungsvorsitzende des FMT und Bauherrin für den Innenausbau, zusammen mit Architektin Dörte Gatermann sehr kämpfen müssen. Genau wie für den Aufzug der heute vom ersten bis in den vierten Stock führt.

Die damalige Konservatorin, Prof. Hiltrud Kier, stand zwar dem Einzug des Archivs in den Wehrturm sehr aufgeschlossen gegenüber, sie fand jedoch weder Aufzug noch „Himmelauge“ seien nötig: „Das gab es im Mittelalter ja auch nicht!“

Das „Himmelauge“ spiegelt exakt das architektonische Konzept des FrauenMediaTurms: Außen der wehrhafte historische mittelalterliche Mantel aus Trachyt, innen das wohnliche Kleid der klassischen Moderne – in Holz, Glas und Stahl.

Bei gutem Wetter können die BesucherInnen die zweistöckige Stahltreppe bis zum Dach hinauf steigen – und durch das Himmelauge runterblicken in die Bibliothek oder rundum über Köln und den Rhein, bis fast nach Bonn!

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Höhepunkte der feministischen Sommeruni 2018

Feministische Sommeruni 2018 voller Hoersaal ©Digitales Deutsches Frauenarchiv/Tanja Schnitzler

Das Digitale Deutsche Frauenarchiv feierte seinen Online-Gang mit einer Feministischen Sommeruni am 15. September an der Berliner Humboldt-Uni. Rund tausend Besucherinnen kamen zu den über 60 Workshops, Vorträgen und Diskussionen.

Einen Bogen schlagen sowie Unterschiede und Verbindungen aufzeigen – das hatte sich die feministische Sommeruni auf die Fahnen geschrieben. Wahrscheinlich gelang das nirgendwo besser als bei der Runde zu “Feminismus und Sprache”: Der Schlagabtausch zwischen der queerfeministischen Rapperin Sookee (34) und der frauenbewegten Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch (74) war feministischer Generationendialog vom Feinsten. Respekt- und humorvoll wurden die eigenen Argumente präsentiert und verteidigt: Pusch hält das Binnen-I für die beste Variante, weil es Frauen „nicht als Anhängsel behandelt“, Sookee verteidigte das Gender-Sternchen, das für sie “so ein Leuchten” hat, die Versprechung: “Da kommt noch mehr”. Sie sieht es als Erinnerung an ein „Wir sind nicht so geboren, wir sind so gemacht und wir entscheiden selbst.“ Das Sternchen repräsentiere „meine Gelegenheit, mich zu finden, Ich zu sein“. Luise Pusch jedoch findet, es mache Frauen sprachlich zur zweiten Wahl.

Feministische Sommeruni Sprache Feminismus Luise F. Pusch und Sookee Portraits© Digitales Deutsches Frauenarchiv/Tanja Schnitzler
Feminismus und Sprache: Rapperin Sookee im Gespräch mit Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch

Schließlich schlug Luise F. Pusch vor: “Das generische Femininum wäre nach 2000 Jahren Patriarchat kompensatorisch gerecht”. Lacher und tosender Applaus im Saal. Entwaffnend ungeschönt sprach Pusch über ihre Einsamkeit als lesbische Frau in den 1960er Jahren in Deutschland. Die Frauen- und Lesbenbewegung habe ihr buchstäblich das Leben gerettet, so Pusch. 144 Professoren seien an der Uni gewesen, als sie dort anfing – und keine einzige Frau. Und als sie es wagte, eigene Gedanken zu vertreten, wurde ihr vorgeworfen, “sie störe die Harmonie im Fachbereich”. Wenn das mal kein guter Name für ne Punkband wäre, “Harmonie im Fachbereich”, warf Sookee ein und sorgte so für die nächsten Lacher.

Auch über Generationen hinweg wurde deutlich, dass frau mehr teilt als trennt, auch wenn man nicht in allen Punkten einer Meinung war und ist.

Feministische Sommerunis: traditionell radikal

Über 60 Vorträge, Workshops und Diskussionen wurden an der feministischen Sommeruni 2018 angeboten. Es kamen rund tausend BesucherInnen, es wurde debattiert, gelacht, gelernt. Und zur Kaffeepause konnten TeilnehmerInnen auf dem Hegelplatz in einem Liegestuhl die wärmende Septembersonne genießen.

Feministische Sommeruni Besucherinnen © Digitales Deutsches Frauenarchiv / Tanja Schnitzler

Am 13. September war das Digitale Deutsche Frauenarchiv (www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de) online gegangen. Ein „Meilenstein der Frauenbewegung und ihrer Erinnerungskultur“ sei das Archiv, erklärte DDF-Geschäftsführerin Sabine Balke beim Festakt in der Humboldt-Uni. „Es ist unglaublich, was Sie hier an Schätzen gesammelt haben“, schwärmte auch Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD), die den Festakt eröffnete und deren Haus das DDF mit finanzieller Förderung ermöglicht hat. Trägerin des DDF ist i.d.a., der Dachverband der 41 deutschsprachigen Frauen / Lesbenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen.

DDF Festakt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Sabine Balke ©Digitales Deutsches Frauenarchiv/Tanja Schnitzler
Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey gratuliert DDF-Geschäftsführerin Sabine Balke

Das DDF feierte mit der Sommeruni seinen historischen Onlinegang, aber auch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Feminismus in Deutschland. Es ist ein bewusster Anschluss an eine in den 1970er Jahren entstandene Aktionsform: Nach dem Vorbild der amerikanischen Women‘s Studies fanden in den Jahren 1976 bis 1983 auch in West-Berlin Frauen-Sommeruniversitäten statt. Feministische Aktion und Wissensproduktion wurden hier aus der Bewegung heraus gemeinsam und selbstbestimmt gestaltet. 2018 knüpfte das DDF nun an diese frühe Form feministischen Netzwerkens an.

Aus der Geschichte lernen: Die Neue Frauenbewegung

Löwinnenlounge bei der Feministischen Sommeruni 2018 © FMT
Für Löwinnen da lang!

Historisches mit dem Heute verbinden, war ein zentrales Anliegen der Sommeruni. Der FrauenMediaTurm trug in doppelter Weise dazu bei. In einer Installation in der Löwenlounge (frau möchte korrigieren: Löwinnenlounge) wurde ein fast zweistündiger Interviewzusammenschnitt des laufenden HerStory-Projektes des FMT gezeigt: Pionierinnen der Neuen Frauenbewegung, darunter Alice Schwarzer, Sabine Zurmühl, Cristina Perincioli und Ulrike Rosenbach (im Foto unten), sprechen über ihr Leben, den Weg in die Frauenbewegung und ihre wichtigsten Projekte und Erkenntnisse im Prozess. So manche kurze Verschnaufpause wurde hier für die BesucherInnen zu einem intensiven Eintauchen in die frauenbewegten Zeiten der Siebziger Jahre.

Feministische Sommeruni Installation Löwenlounge © Digitales Deutsches Frauenarchiv/Tanja Schnitzler

Dass der Abtreibungsparagraph – damals Auslöser der Frauenbewegung – noch heute ein ungelöstes Problem darstellt, griff die FMT-Veranstaltung “§218 – der Backlash” auf. In der Diskussionsrunde mit der Berliner Gynäkologin Bettina Gaber  und zwei Medizinstudentinnen der Charité wurde klar, wie bedroht das Recht auf Abtreibung heute (noch und wieder) ist. Frauenärztin Gaber wurde, wie Kristina Hänel, von fanatischen „Lebensschützern“ wegen Verstoßes gegen den §219a angezeigt. Und Alicia Baier und Lisa Wernicke kämpfen mit den „Medical Students for Choice“ dafür, dass Abtreibung im Medizinstudium überhaupt gelehrt wird.

Sommeruni §216 Backlash Podium © Digitales Deutsches Frauenarchiv/Tanja Schnitzler
Gynäkologin  Bettina Gaber, Emma-Redakteurin Chantal Louis, Studentinnen Lisa Wernicke und Alicia Baier

Rückbesinnung und Ausblick bot auch die Podiumsdiskussion mit der früheren Bundesfrauenministerin Rita Süssmuth. Sie berichtete vom harten Kampf um den §218 nach der Wiedervereinigung und rief ihr Publikum, darunter viele junge Frauen, angesichts des aktuellen Backlashs nicht nur in Sachen §219a dazu auf, „wieder auf die Straße zu gehen“.

Sommeruni Abtreibungsdebatte Rita Süssmuth © Digitales Deutsches Frauenarchiv/Tanja Schnitzler
Bundesfamilienministerin a.D. Rita Süssmuth

Nicht graue Theorie, sondern Aktion!

Nicht auf der Straße, aber im Netz kämpft Tina Reis mit feministclickback.org mit feministischer Suchmaschinenoptimierung (SEO) gegen die Dominanz von sogenannten „Lebensschützern“ im Netz. So dominiert die „Lebensschützer“-Webseite profemina.org die Google-Suche zum Thema Abtreibung – in harmloser Aufmachung und erweckt so den Anschein neutraler Schwangerschaftskonfliktberatung. Auf der Seite feministclickback.org gibt es Tipps und Kniffs, wie feministische Organisationen per SEO dagegen halten können!

Feministische Sommeruni Publikum Workshop © Digitales Deutsches Frauenarchiv/Tanja Schnitzler
Praxistest: Die unterschiedlichen Workshops waren gut besucht

Feministische Vielfalt

Bei der Feministischen Sommeruni ging es auch darum, Wissenslücken zu füllen und neue Perspektiven zu entdecken, etwa die Geschichte der Frauen- und Lesbenbewegung in der DDR oder Jüdinnen in der Frauen-/Lesbenbewegung. In letztere Veranstaltung drängten sich rund 100 Interessierte aus allen Altersgruppen. Lara Dämmig, Jessica Jacoby und Debora Antmann – drei Generationen – sprachen miteinander und stellten fest: Ihnen allen gemein war (und ist) das Gefühl, sich weder in lesbischen noch in jüdischen Gruppen repräsentiert zu sehen. Sie alle gründeten dann, unabhängig voneinander und zu anderen Zeitpunkten, jüdisch-lesbische Netzwerke. Im Plenum kam es nicht nur zu angeregtem Austausch, die TeilnehmerInnen vernetzen sich auch untereinander.

“Beim Schreiben stört der Pimmel”

Ein Höhepunkt der Sommeruni war die Abendveranstaltung von Pro Quote Film: Die Schauspielerinnen Maren Kroymann, Nina Kronjäger und Mateja Meded machten den Aufschlag mit einem kleinen fiktionalen Austausch über Sexismus in Casting-Situationen. “Theater und TV in Deutschland sind ein weißer Heteroschwanz”, so das Fazit von Mateja Meded.

Feministische Sommeruni Frauen im Film Podium © Digitales Deutsches Frauenarchiv/Tanja Schnitzler
Schauspielerinnen Nina Kronjäger, Maren Kroymann und Mateja Meded

Vielleicht sollte frau besser schreiben statt Schauspielerin sein? “Man sitzt prima auf einer Scheide, beim Schreiben stört der Pimmel”. Es wird satirisch, sarkastisch, tut weh. Und dann werden sie sehr persönlich, die drei Schauspielerinnen, erzählen über ihre eigenen Erfahrungen, der Sexismus im Filmgeschäft sei allgegenwärtig. Und das sei ja nicht das einzige, schon die Rollen seien sehr häufig sexistisch angelegt. Es wird überdeutlich: Da ist noch viel zu tun.

Feministisch und antirassistisch

Der Tenor des Tages war insgesamt sehr politisch und auch bestimmt von den Eindrücken der rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz. Die Frage, wie sich feministische und antirassistische Bewegung zueinander verhalten soll, wurde in mehreren Veranstaltungen kontrovers und kritisch diskutiert.

Feministische Sommeruni - Rassismuskritischer Feminismus Podium © Digitales Deutsches Frauenarchiv / Tanja Schnitzler
Tülin Duman, Dr. Delal Atmaca, Sanchita Basu und Marion Böker

Der Wunsch aus der Abendveranstaltung “Rassismuskritischer Feminismus” war vor allem, dass der Feminismus sich gegen Rechts solidarisch erklären solle: „Sich für sehr klare Ziele zusammenschließen“ ist möglich, findet Menschenrechtsaktivistin Tülin Duman, die sich in diversen Projekten gegen Sexismus, Homo- und Transphobie sowie gegen Rassismus engagiert. Gerade in Zeiten, in den der rechte Diskurs herrscht, müssen Feministinnen sich gemeinsam der männlichen Dominanzkultur mit klaren Bekenntnissen entgegen stellen.

Zukunftsgerichtet

Feministische Sommeruni Publikum Generationenmix © Digitales Deutsches Frauenarchiv/Tanja SchnitzlerAuch Pläne für die Zukunft wurden geschmiedet: So ist für den 8. März 2019 ein deutscher Frauenstreiktag geplant, wie Theresa Hartmann vom „Frauen*streik Bündnis“ auf der Sommeruni präsentierte: In Anlehnung an Streiks in Spanien (2018: 5 Millionen Frauen beteiligt), Argentinien oder Polen wollen sie 2019 beginnen, den Frauenstreiktag auch in Deutschland zu etablieren. 2020 soll er dann noch größer werden.

An der feministischen Sommeruni wurde deutlich: Viele Probleme der Feministinnen von heute waren auch die der Feministinnen von früher. Mit dem Digitalen Deutschen Frauenarchiv gibt es nun die Adresse im Netz, um aus ihrer Geschichte zu lernen.

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Zu Besuch im FMT: Kölner OB Henriette Reker

v.l.: OB Henriette Reker, Alice Schwarzer, Jasmin Schenk, Sarah Dolguschin und Julia Hitz

Am 27. August war auf Einladung von Alice Schwarzer die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker zu Besuch im Turm. In Begleitung ihrer Mitarbeiterin Dr. Monique Offelder.

Sie hat sich den ganzen Turm erwandert, vom ebenerdigen Gewölbe bis in den vierten Stock, wo die öffentliche Bibliothek ist. Da staunte die Oberbürgermeisterin nicht schlecht: Was Feministinnen schon alles gedacht und geschrieben haben – das ist ja da alles in den Regalen verstaut, in den Computern verschlagwortet und kann vor Ort eingesehen und studiert, oder online recherchiert werden.

Die Kölner Oberbürgermeisterin ist übrigens die einzige weibliche Oberbürgermeisterin in ganz Nordrhein-Westfalen! Also im größten und bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands. Und, das sei bei der Gelegenheit angemerkt: Sie gehört zu einer bedrängten Sorte. Die Zahl der in der Kommunalpolitik aktiven Frauen steigt nicht etwa, sie sinkt. „Ich halte“, sagt Reker, „dann oft als einzige Frau Vorträge vor lauter Männern.“

Henriette Reker selbst ist übrigens engagiert bei den Soroptimistinnen aktiv, in der weltweiten Vereinigung berufstätiger Frauen.

Als die Oberbürgermeisterin nach dem Ausblick hinter den Zinnen auf den Dom und das Siebengebirge wieder hinabstieg in die Männerwelt, murmelte sie: „Was für ein toller Ort für Frauen!“ Und, schon lauter: „Ich komme bald wieder.“

Der Bibliotheksraum des FMT

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1968: Der legendäre Tomatenwurf

Helke Sander hält ihre Rede auf der 23. SDS-Delegiertenkonferenz in Frankfurt/Main am 13.9.1968 Quelle: Filmstill aus SWR-Report, September 1968
Helke Sander hält ihre Rede auf der 23. SDS-Delegiertenkonferenz in Frankfurt/Main am 13.9.1968

Auf der 23. Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) in Frankfurt fordert Helke Sander, Filmemacherin und Aktivistin im Berliner Aktionsrat zur Befreiung der Frauen, in ihrer Rede: „Wir können mit der Lösung der gesellschaftlichen Unterdrückung der Frauen nicht auf Zeiten nach der Revolution warten, da eine nur politisch-ökonomische Revolution die Verdrängung des Privatlebens nicht aufhebt.“

Privatbesitz
Ulrike Meinhof, 1961

Erbost über die Ignoranz und Arroganz, mit der die SDS-Genossen auf Helke Sanders Rede reagieren, wirft die Romanistik-Studentin Sigrid Rüger drei Tomaten – und trifft auf dem Podium den SDS-Cheftheoretiker Hans-Jürgen Krahl. Die Presse von Spiegel bis Zeit berichtet. Einer der klügsten Kommentare zur Tomatenwurf-Debatte erscheint in der Zeitschrift konkret. Sein Titel: „Die Frauen im SDS oder: In eigener Sache„. Autorin: Ulrike Meinhof, die zwei Jahre später als Teil der „Baader-Meinhof-Gruppe“ (später RAF) untertaucht und in den „bewaffneten Widerstand“ geht.

> mehr zu 1968 in der Chronik der Neuen Frauenbewegung

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